April2
Hoffnungsvoll bestellt, schnell bei mir zu Hause angekommen und voller Vorfreude ausgepackt: Die Rede ist vom neuen Sony ebook-Reader. Seit gestern halte ich ihn in den Händen, nur magere zwei Tage hatte der Direktversand von Sony in mein Wohnzimmer gedauert. Nun unternehme ich die ersten Gehversuche mit ihm, um zu erfahren, ob das gute alte Buch wirklich bald ausgedient hat, wie die Medien Prophezeien und die Werbung einen Glauben lässt.
Ich betrachte das Äußere des angeblichen Wunderdings, das das Buch bald obsolet machen will. In hellbraunes Leder gehüllt sieht es auf den ersten Blick eher wie ein herkömmlicher Terminplaner aus, erst nach dem Aufklappen sieht man die Technik, die begeistern soll: auf einer Größe kleiner als die eigene Hand und dünner als die meisten Bücher hat Sony seinen ebook-Reader geschaffen.

Nachdem der Powerknopf betätigt ist (Sony hat tatsächlich einen vollen Akku mitgeliefert), schaltete sich das Display an. Die erste Überraschung: Im Normalfall flimmert jeder Bildschirm, auf dem Sony ebook-Reader sieht die Schrift wie gemalt aus. Kein Verschwimmen, kein Blinken, kein unangenehmes Gefühl beim Lesen?
Das will ich genauer wissen. Ich scrolle durch die vorinstallierten Bücher. Leider ist das momentan wohl beliebteste ebook, Harry Potter, noch nicht auf den Reader gespielt. So bleibt für den ersten Test nur die Autobiografie von unserem ehemaligem Bundeskanzler Helmut Schmidt: Ein trockener Stoff, der digital aufgepeppt mein Interesse weckt. Ich blättere nicht von Hand oder mit einem Touch, sondern mit einem der knapp 20 übersichtlich angeordneten Knöpfe um, das Vorwort erscheint. Die Schrift verschwimmt wirklich nicht.
Ich finde die Vergrößerungstaste. Das klare Bild wird herangezoomt. Das Display zeigt nun nicht mehr eine ganze Seite, sondern nur noch einen kleinen Ausschnitt an. Die erste Verwirrung ist gestiftet, ich erkenne nicht mehr auf welcher Seite aus Schmidts Autobiografie ich mich gerade befinde. Also zoom ich schnell zurück auf Normalgröße, die Klarheit ist wieder hergestellt.
Nach der ersten Stunde an dem Gerät reibe ich mir die Augen. Für einen Philosophie, Geschichts- und Literaturstudenten ist diese Bewegung ganz normal und hängt nicht alleine mit dem Medium zusammen, auf dem gelesen wird. Vielmehr ist es eine nonchalante Haltung, die mir das Sammeln meiner Gedanken ermöglicht.
Ich frage mich: Ist es wirklich anders oder doch eigentlich ganz gleich? Bleibt das echte Buch aus Papier meine erste Wahl oder sind die Vorteile vom elektronischen ebook-Reader aus dem Hause Sony doch so groß, dass die Weltuntergangszeichner Recht behalten und nun die letzte Bastion des Intellektualismus, das geschriebene Wort auf festem und berührbarem weißem Grund aus Papier fällt?
Ich weiß nur soviel: Auf meiner VW-Bus-Tour an die baskische Atlantikküste wird mich der Sony-Reader begleiten. Statt Kilo schwerer Bücher stecke ich das kleine Wunderwerk der Technik einfach in meine Jackentasche und bin damit mobiler denn je. Doch bis zu meiner Abfahrt muss ich noch meine Lektüreliste für den Urlaub zusammenstellen. Dafür gehe ich jedoch nicht, wie sonst in die Bücherei oder den nächsten Buchladen, sondern surfe von zu Hause ein bisschen im Internet. Das bei weitem beliebteste ebook, Harry Potter, werde ich da mit Sicherheit wie von Zauberhand finden.